... In der Musik finde ich das Element des Gestalterischen und Gestaltwerdenden ideal verwirklicht. Es ist nicht das Erleben von Musik über schmissige Rhythmen, Tanz, Ekstase oder sonstiges Ausleben, sondern vielmehr über abstrakt - intelektuelle Mechanismen. Verdichtung, Variation, Sequenz, Modulation, Überlagerung, Zusammenballung und Sichverlieren sind strukturale Erfahrungsebenen, die als solche auch in Bildern oder Texten auftreten können als nonverbale Mitteilungen. Die Inszenierung solcher Elemente oder Phönomene ist auch für mich das Geistige in der Kunst; wenn der Pathos oder Dramatik, dann nur auf dieser Ebene. Es versteht sich von selbst, daß unsere gegenständliche Umwelt sich auch abstrakt lesen und deuten läßt als zweite Natur. Es geht bei der Beschäftigung mit der Musik nicht um Illustration des einen mit dem anderen. Es ist nur eine innere Korrelation möglich (und interessant) im wahrsten Sinne als übertragener Sinn.
Mich interessieren Künstler, die übertrieben haben, die das taten, was Zeitgenossen nicht in den Sinn kam (...)
Für mich ist Kunst nicht als Styling oder Design praktikabel.
(Vorbilder und verwandte Strukturen, Musik, Sprache, 1991)